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Mülltrennung und Recycling

Die Verantwortung liegt beim Verbraucher

Kaum etwas ist so deutsch wie Mülltrennung und Recycling.  Mit dem Grünen Punkt hat Deutschland 1991 das erste System erfunden, das aus gebrauchten Verpackungen neue Rohstoffe gewinnt. Mittlerweile werden laut der Europäischen Umweltagentur EEA zwei Drittel des Haushaltsmülls in Deutschland recycelt, Rekord in Europa. Das Bundesumweltministerium kommt gar auf eine Recycling-Quote von rund 80 Prozent, gewerblicher Müll und Industrieabfälle eingeschlossen. All diese Mengen, insgesamt mehr als 200 Millionen Tonnen pro Jahr, werden also in irgendeiner Form noch mal verwertet und landen nicht auf einer Deponie.

Das suggestive Märchen vom biologischen Abbau und die Recyclingquote

Bei näherem Hinsehen erscheint Deutschlands angeblich so hohe Recycling-Quote aber fragwürdig. Thomas Obermeier, der ehemalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Abfallwirtschaft (DGAW), nennt die offiziellen Zahlen “Augenwischerei”. Statt der angepeilten Quoten hält die DGAW eher eine Recycling-Quote von 31 bis 41 Prozent für realistisch. Diese Sicht teilt auch der Rat für nachhaltige Entwicklung in einem Bericht für die Bundesregierung und begründet sie mit der Methode, wie die Quote ermittelt wird. Entscheidend ist die Menge an Müll, die in eine Recycling-Anlage hineingeht – was diese aber aus dem Müll macht und wie effizient das funktioniert, spielt für die Statistik keine Rolle. Tatsächlich sind die Verluste beim Recycling sehr hoch:

  • In der Gelben Tonne landen in Großstädten bis zu 50 Prozent “Fehlwürfe”, beispielsweise Hausmüll statt Verpackungen. Mit diesem Material können Sortieranlagen nichts anfangen. Die Fehlwürfe werden aussortiert und anschließend verbrannt, zählen aber in der Statistik als “recycelt”.
  • Auch Kunststoffgemische sind problematisch. “Der Anteil der stofflichen Verwertung von Plastikabfällen liegt bei etwa zwölf Prozent”, heißt es in dem Bericht des Nachhaltigkeitsrats. Der Rest wird in Müllverbrennungsanlagen gebracht. Auch diese Menge zählt zur offiziellen Recycling-Quote dazu, weil sie eine Recycling-Anlage durchläuft.
  • Aus gesammelten Einweg-Plastikflaschen entstehen äußerst selten neue Behälter. Dies ist auf den “PET Cycle” beschränkt, einem Recycling-System für PET-Einwegflaschen. Dieses System steht jedoch in der Kritik, da es mit wiederbefüllbaren Mehrwegflaschen konkurriert. “Für jedes Getränk muss eine neue Verpackung produziert werden, die oft nach wenigen Zügen ausgetrunken ist und damit Abfall wird”, kritisiert die Verbraucherzentrale.
  • Recht gut funktioniert dagegen das Recycling von Glas, Papier und Produkten aus Polypropylen, hier liegt die reale Recycling-Quote bei etwa 80 Prozent.
  • Mechanisch-biologische Aufbereitungsanlagen, die beispielsweise Hausmüll trennen, gewinnen vor allem Metalle zurück. Im Hausmüll enthaltener Kunststoff oder Papier ist häufig so verunreinigt, dass er nur noch als Brennstoff taugt.
  • Bio-Produkte und Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen sind besonders untauglich für das Recycling und höchst problematisch für die Umwelt. Müssten Sie auf gesonderten Bio-Müllbergen zum Abbau doch gesammelt werden, um sie dann mit einer 10- jährigen Halbwertzeit biologisch abzubauen. Gäbe es dennoch diese Berge, kann der biologische Abbau aber nicht stattfinden, weil diese Produkte nicht abbaubare Kunststoff-Inlays zur Flüssigkeit oder Inhaltssicherung enthalten. Diese beliebten Produkte werden augenwischend als besonders entlastend für unsere Umwelt dargeboten. Dabei werden sie verbrannt und entlassen aus Ihren nicht natürlichen Inlays Giftstoffe in das Erdreich.

“Würde man all das aus der Recyclingquote herausrechnen, lägen wir deutlich unter dem, was die EU fordert”, sagt Ludolf Ernst, Geschäftsführer der DGAW. Der Experte schlägt vor, sich statt auf die Erfüllung einer Quote darauf zu konzentrieren, “was man aus dem Material am Ende macht” – also möglichst hochwertige neue Produkte aus dem Abfall herzustellen.

Müllweltmeister?

Fakt ist also: Derzeit wird deutlich mehr Abfall verbrannt, als die Statistik auf den ersten Blick nahelegt. Es ist unklar, ob sich daran mit dem Verpackungsgesetz etwas ändert. Es legt beispielsweise fest, dass die Recycling-Quote für Kunststoffverpackungen von heute 36 Prozent bis 2022 auf 63 Prozent steigen muss. Bei Verbundverpackungen, Glas, Papier und Blech will die große Koalition sogar eine Quote von 90 Prozent erreichen. Allerdings verschleiern die Zahlen ein tieferliegendes Problem: Die Müllmenge selbst wächst in Deutschland immer weiter. Nur Dänen und Schweizer produzieren im europäischen Vergleich pro Kopf mehr Müll. Die Niederlande oder Großbritannien konnten die Müllmenge pro Kopf seit 2004 sogar merklich reduzieren, in Deutschland fällt dagegen heute mehr Verpackungsmüll an, jährlich 220 Kilogramm pro Kopf.

Müllvermeidung, Wiederverwendung, Recycling

“Das Verpackungsgesetz setzt aufs Recycling”, so Philipp Sommer, Spezialist für Kreislaufwirtschaft der Deutschen Umwelthilfe. “Das eigentliche Problem ist aber der wahnsinnige Ressourcenverbrauch.”

Laut der sogenannten Abfall-Hierarchie hat die Vermeidung von Müll oberste Priorität. Es folgt die Wiederverwendung von Stoffen, zum Beispiel, wenn eine Glasflasche gereinigt und neu befüllt wird, statt sie einzuschmelzen. An dritter Position steht das Recycling. Dazu zählt etwa das Pressen von Plastikmüll zu Ballen, die der Industrie erneut als Ressource dienen. An vierter Stelle liegt schließlich das Verbrennen von Müll, am wenigsten erwünscht ist die Deponierung. “Bei der Vermeidung und der Wiederverwendung passiert momentan gar nichts, da müssten wir aber aus ökologischer Sicht hin”, sagt Sommer. Die Sorge der Umweltschützer ist, dass die Bürger einfach unbeschwert alles wegwerfen, weil ihnen ständig suggeriert wird, dass der Müll wiederverwendet werde.

Die Bundesländer fordern eine deutlichere Kennzeichnung von Einweg- und Mehrwegverpackungen, an der sich Verbraucher orientieren können. Mehrweg bedeutet, dass Flaschen und Becher tatsächlich erneut befüllt werden – und nicht erst geschreddert, wie beispielsweise PET-Einwegflaschen. Laut einer Ökobilanz des Heidelberger IFEU-Instituts sind Mehrwegflaschen und Mehrwegbecher durchweg umweltfreundlicher als ihr Einweg-Pendant. Laut derzeitigem Entwurf müssen Händler künftig aber nur in der Nähe ihrer Regale darauf hinweisen, wenn darin Einwegflaschen stehen. Eine verpflichtende Mehrweg-Quote fehlt im Gesetz vollständig.

Thomas Pretz, Leiter des Instituts für Aufbereitung und Recycling an der RWTH Aachen, bezweifelt allerdings, wie viel Einfluss der Gesetzgeber tatsächlich darauf hat, welche Verpackung sich durchsetzt. “Das ist politisches Wunschdenken, die Abstimmung findet beim Konsumenten statt.” Bereits die erste Verpackungsverordnung vor 25 Jahren habe es sich zum Ziel gesetzt, die Müllmenge zu reduzieren – bis heute ohne Erfolg. Allerdings habe sie bestimmte Techniken überhaupt erst ermöglicht: “Die Technologie zum Kunststoffrecycling haben wir nur der Verpackungsverordnung zu verdanken”, sagt Pretz.

 

Quelle:  Süddeutsche Zeitung, 11.05.2017  Müll: Das deutsche Recycling-Märchen;
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Becherdealer gelingt der Durchbruch mit einem kostengünstigen Mehrwegbecher als alternative Lösung für Coffee to Go – Einwegbecher

Pressemitteilung   •   Mär 03, 2018 13:50 CET

Der erste komplett recyclebare Becher für Coffee-to-go

Der Barista 365 ist eine innovative Gemeinschaftsproduktion und eine Neuheit auf dem Markt für Kaffeebecher. Keine halben Sachen auf dem Weg, die Umwelt zu entlasten. Sowohl Becher, als auch Deckel bestehen aus recycelfähigem Polypropylen. Der 300 ml Becher kann individuell gebrandet werden und der Deckel ist in verschiedenen Farben erhältlich.

Warum ist der Barista 365 innovativ?

Der Barista 365 schließt, mit einem geringfügig höheren Preis gegenüber dem Einwegbecher und einem wesentlich günstigeren Preis gegenüber herkömmlichen Mehrwegbechern aus Kunststoff oder Metall eine Lücke im bestehenden Becher- Segment. Mit nur einem Euro Pfandleistung kann die Nachbestellung für Mitnahmebecher finanziert werden. Die redundanten Kosten für Papier- oder Einwegbecher entfallen.

Pfandkreislauf

Wichtiger Kreislauf zum Schutz unserer Erde

Der Barista 365 trägt als Pfandbecher dazu bei, den durch Einwegbecher anfallenden Müll signifikant zu reduzieren. 360.000 Einwegbecher die nach nur 15 Minuten Gebrauch in den Müll wandern, werfen die Frage nach einer besseren Lösung auf.

Der Barista 365 ist so hergestellt, dass er tausendfach wiederverwendbar ist. Der Energieverbrauch für die Herstellung eines Einwebechers ist der gleiche, wie für einen Mehrwegbecher, daher machen diese Aspekte eine Mehrfachnutzung im Pfandkreislauf unabdingbar.

Energie- Kosten- und Abfall-Regulator

Warum beim Pfandsystem alle gewinnen – am meisten die Umwelt.

Der Einwegbecher für Coffee-to-go hat gegenüber dem Mehrwegbecher zunächst nur einen vermeintlichen Vorteil, er ist billig.

Mit Dumpingpreisen wird der Markt überschwemmt und diese Massen landen nach meist nur kurzem Gebrauch auf dem Müll und werden verbrannt; auch die biologisch abbaubaren Mehr- und Einwegbecher aus nachwachsenden Rohstoffen. Ein natürlicher Abbau von “Biobechern” ist ein Trugschluss, da die Halbwertszeit und die anfallende Menge der Becher, weder zeitlich noch aus Platzgründen, ein Kompostierung zulassen. Auch die Energiegewinnung aus dem Verbrennungsvorgang steht in keinem positiven Verhältnis zu den entstehenden Umweltgiften aus den chemischen Kunststoffen, welche für die Verdichtung des Innengehäuses notwendig sind. Das Polypropylen des Barista 365 ist im Vergleich dazu, ein fester und belastbarer Kunststoff mit sehr geringer Dichte und ein Material, dass in der Anwendung zu tausendfacher Nutzung führt. Nach der Entsorgung wird der Grundstoff zu Granulat recycelt, welches in den verschiedensten Bereichen der Industrie benötigt wird. Für Brillenetuis, Koffer, Schulranzen, sterile medizinische Geräte, Gartenmöbel, Toilettendeckel, Kunstrasen, Möbelscharniere und unzählige, weitere Anwendungen. Der lebensmittelechte Kunststoff des Barista365 istsomit in hohem Maße umweltfreundlich und verringert das Abfallaufkommen durch Recycling erheblich. Der Pfandkreislauf definiert die Lebenszeit der Becher und die Pfandeinnahme sichert die Finanzierung des Nach- schubs. Der Konsument erhält, als Gegenleistung für eine verhältnismäßige geringe Pfandleistung, ein sehr hochwertiges Produkt. Daraus resultiert ein subjektiver Mehrwert, welcher dazu führt, den Becher zu behalten, ihn zu sammeln und deutlich länger zu nutzen, als einen Einwegbecher. Einwegbecher müssen stets neu produziert und finanziert werden, landen jedoch nach kürzester Zeit auf dem Müll, werden verbrannt und haben daher keinen Mehrwert.